Wenn die Natur ihren Tribut fordert

15. Januar 2026

Über mein Krafttier Serafin und warum ich 2 tote Vögel an einem Tag finden durfte

Wie jeden Morgen starte ich mit den Hunden in den Tag, raus aus dem Dorf, rein in die Felder. Heute morgen ist es anders. Denn heute früh öffne ich die Haustür und es liegt ein toter Mäusebussard vor mir. 
Sein Körper ruht still im Schnee, die Flügel hat er eng an sich gezogen. Die Augen sind schon leer, seine Seele heimgekehrt. Die Kälte hält das Südburgenland seit Tagen fest im Griff und die Erde schläft unter einer gefrorenen Schneedecke. Kein Zuckerschlecken für die Wildvögel. 

Mich berührt das sehr. Denn, der Mäusebussard ist mein Krafttier. Er trägt den Namen Serafin. Ein Hüter der Übersicht, der Weite und der klaren Entscheidung aus der Höhe. Im Sommer 2025, kurz nach unserem Ankommen hier im Südburgenland, durften wir gemeinsam mit den Hunden einem verletzten Mäusebussard das Leben retten. Was war das für ein wundervolles Gefühl. Ja und heute steht ein würdevoller Abschied im Raum. Ich glaube ja nicht an Zufälle, außer man liest es so: "es fällt mir etwas zu". Er hat sich MICH ganz bewusst ausgesucht, er hat gewusst, ich werde mich um seinen Körper kümmern.  Und trotzdem schmerzt mein Herz. 

Zur Mittagszeit zerreißt lautes Rufen die winterliche Stille, ich höre es bis ins Haus. Die Hunde werden unruhig. Ich laufe raus um nachzusehen und sehe viele Krähen auf den hohen Bäumen oben auf der Wiese Richtung Wald. Ihr Gekreische überschlägt sich förmlich, natürlich laufe ich rauf um nachzusehen was passiert ist. Auf der Wiese liegt ein männlicher Fasan, sein kalter Körper bereits Teil eines alten Vertrages zwischen Himmel und Erde. Die Krähen nähren sich, kraftvoll und  kompromisslos so wie es die Natur vorgesehen hat. Ich verneige mich vor diesem wunderschönen Tier und nehme zwei seiner langen Schwanzfedern zu mir. Seinen Körper lasse ich dort, wo er gebraucht wird. 

Zwei verstorbene Wildvögel an einem Tag. Zwei Begegnungen mit der Schwelle. Zwei Botschaften, die sich ineinander verweben. Ich wurde heute mehrmals gefragt: Tanja, was soll dir das denn sagen? Und ich freu mich, dass meine Leserinnen auch nicht an Zufälle glauben. 

Am Ende dieses Tages kann ich sagen,  dieser Tag fühlte sich für mich an wie eine Initiation. Und das genau am Tag nach unserem Livecall "Die Handschrift des Jahres 2026", wo es um die Verkörperung der aktuellen Zeitqualität ging. Auch kein Zufall :-)

Der Mäusebussard schenkt mir die Erinnerung, WIE ich in die Welt schauen darf. Er erinnert mich an den Blick von oben, an Führung ohne Hast und an Entscheidungen aus innerer Klarheit. Sein Gehen zeigt mir, dass eine Phase der Beobachtung in eine Phase der Verkörperung übergeht. Der Himmel gibt die Staffel an die Erde weiter. 

Der Fasan trägt eine andere Qualität. Er steht für Präsenz, für Schönheit im Irdischen, für das mutige Sich-Zeigen im Feld des Alltags. Seine Federn erzählen von Würde, von Erdung, und von der Kraft, Farbe ins Leben zu bringen, auch im Winter.

Und die Krähen sind die ehrlichen VermittlerInnen zwischen den Welten. Sie lehren mich bedingungsloses Vertrauen in den Kreislauf der Natur. Nehmen, was gebraucht wird. Lassen, was dem Ganzen dient und das ganz ohne Drama. (ok fast, ihr Gekreische klingt schon sehr dramatisch)

Dass ich heute wunderschöne Federn bei mir aufnehme, fühlt sich an wie ein Versprechen.
Mein Altar freut sich sehr darüber, ich fühle das  JA zu einer besonderen Aufgabe, die sich gerade neu sortiert und die ich 2026 ins Leben holen darf...

Diese Federn erinnern mich aber auch daran, dass Leben und Tod keine Gegensätze bilden. Sie sind Atemzüge desselben großen Wesens. Der Hof, die Tiere, die Pflanzen, die Menschen, die AhnInnen, die wundervollen Wesen der Lüfte – alles ist Teil der Schöpfung.

Das Leben ist schön. Punkt. (und was wir Sterben nennen, ist vermutlich - also für mich ziemlich sicher - nur ein Übergang)

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