Wieviel Segen kann durch dich fließen?
Über die Kraft, das Wunderbare im Alltäglichen zu sehen und Liebe in die Welt zu senden

Es sind doch häufig die unscheinbaren Momente, die etwas in uns in Bewegung setzen.
Vor einigen Tagen blieb ich beim Durchsehen meiner WhatsApp-Storys an einer einzigen Frage hängen, die die Astrologin Silke Schäfer geteilt hatte.
„Wie viel Segen kann durch dich fließen?“
Ich spürte sofort eine tiefe Resonanz mit dieser Frage. Sie begleitete mich bei der Abendrunde im Sonnenuntergang mit den Hunden, beim Brotteig kneten, beim abendlichen Gießen der Rosen und sogar vorm Zubettgehen, als ich den Tag noch einmal Revue passieren ließ.
Wie viel Segen kann heute durch mich fließen?
Während ich über diese Frage nachdachte, fiel mir ein Vortrag ein, den ich vor wenigen Jahren in Thüringen gehalten habe. Das Manuskript hab ich gleich gesucht auf meinem Rechner. Zwischen all den Seiten sprang mir ein Satz entgegen, den ich damals beinahe selbstverständlich ausgesprochen hatte:
"Nutze deine Schöpferkraft. Es ist dein Geburtsrecht zu segnen und zu heilen."
Ich musste lächeln. Manchmal schreiben wir Sätze, deren Bedeutung sich erst Jahre später ganz entfaltet. Heute würde ich es anders formulieren, weniger lehrerhaft :-) Mit etwas mehr Leben zwischen den Zeilen.
Der Kern ist dennoch derselbe geblieben. Ich fühle, Segnen gehört zu den ursprünglichsten Fähigkeiten von uns Menschen. Und ziemlich sicher sogar zu den ursprünglichsten weiblichen.
Lange bevor Spiritualität in Bücher geschrieben wurde, lange bevor Religionen Regeln aufstellten, segneten Frauen das Leben. Sie segneten ihre Kinder, den Brotteig, die Tiere am Hof, das Saatgut. Sie segneten das Wasser und jeden neuen Tag.
Sie taten das nicht als Pflicht oder Angst vor dem Bösen, sondern einfach aus Liebe.
Beim Nachdenken über dieses Thema begleiteten mich auch Gedanken von Kurt Tepperwein. Besonders seine Beschreibung eines Segens als angewandte Liebe hat mich tief berührt. Was ist das für ein wunderschöner Gedanke.
Ist Segnen tatsächlich nichts anderes als Liebe, die eine Richtung bekommt? Liebe, die sich entscheidet, durch uns in die Welt zu fließen?
Für mich braucht ein Segen keine besonderen Worte, kein kompliziertes Ritual. Und schon gar keine Kirche.
Er braucht nur (d)ein ehrliches Herz. Ein Segen beginnt genau dort, wo wir einem Menschen innerlich zuflüstern:
Möge dir Gutes begegnen.
Mögest du gesund sein.
Mögest du deinen Weg finden.
Mögest du gesund nach Hause kommen.
Mögest du dich daran erinnern, wie wertvoll du bist.
In den letzten Monaten wird es für mich immer selbstverständlicher, dass ich segne.
Ich segne meinen koffeinfreien Capuccino, den ich morgens in den Händen halte.
Ich segne das Brot, das ich backe.
Ich segne meinen Körper, der mich seit vielen Jahren durch dieses Leben trägt.
Ich segne die Frauen in meinen Räumen und wenn sie meine Räume wieder verlassen.
Ich segne meine Hunde, wenn ich ihnen die Ohren kraule.
Ich segne unsere Hühner und meinen großartigen Gemüsegarten.
Und manchmal segne ich sogar Situationen, die ich mir ganz anders gewünscht hätte. Weil ich darauf vertraue, dass Liebe oft weiter sieht als mein Verstand.
Früher gehörte das Segnen ganz selbstverständlich zum Alltag. Eltern gaben ihren Kindern den Segen mit auf ihren Lebensweg, zb wenn sie morgens das Haus verlassen haben. Vor dem Anschneiden eines Brotes zeichnete manche Bäuerin ein Kreuz auf die Unterseite des Laibes.
Unsere Großmütter praktizierten noch etwas, das im Laufe der Zeit immer leiser geworden ist. Sie wussten noch, dass unsere Gedanken eine Kraft besitzen und unsere innere Haltung etwas verändert.
Ich glaube auch, dass ein Segen zuerst den Menschen verändert, der segnet. Sein Herz wird weiter. Sein Blick auf die Welt und seine Umwelt wird milder. Seine Gedanken werden liebevoller.
Plötzlich entdecken wir wieder das Wunderbare im Alltäglichen. Und genau darum geht es mir in meiner Arbeit.
Ich wünsche mir, dass Menschen das Wunderbare wieder im Gewöhnlichen entdecken.
So viele da draußen warten auf das große Geschenk des Lebens und übersehen dabei die kleinen Glücksmomente, die jeden einzelnen Tag füllen.
Dabei liegt das Leben oft schon vor uns. Bei mir ist es der Duft von frischem Brot, der Tau auf einer duftenden Rose. Das ehrliche Lachen eines Kindes, wo man nur mitlachen kann.
Im treuen Blick meiner Seelenhündin Olivia. Für meinen Mann ist es der erste Kaffee am Morgen.
Ein Segen ist vermutlich nichts anderes als die Entscheidung, all das wieder bewusst wahrzunehmen. Wir segnen das Leben in dem Moment, in dem wir ihm unsere ungeteilte Aufmerksamkeit schenken.
Die Frage von Silke Schäfer inspiriert mich sogar zu einem neuen Abendritual. Ich frage mich nicht mehr zuerst, wie produktiv mein Tag gewesen ist. Ich frage mich:
Wie viel Segen durfte heute durch mich fließen?
Unsere Aufgabe als Mensch besteht gar nicht darin, möglichst viel zu besitzen oder möglichst viel zu erreichen. Sie besteht eher darin, immer durchlässiger zu werden für Mitgefühl und Güte, für Hoffnung und für die Liebe.
Und für den Segen, der längst darauf wartet, durch uns seinen Weg in diese Welt zu finden.
Denn vielleicht beginnt genau dort das schönste Leben.
Denn das Leben ist schön. Punkt.











