Die erwarten das doch von mir

31. August 2026

Warum es diesen Herbst keine 7. Detoxrunde gibt

Eigentlich hatte ich diesen Herbst schon längst geplant, die Termine meiner Räume stehen schon in meinem Googlekalender, die Preise standen schon auf der Landingpage. Und ja ich war früh dran, diesmal waren die Landingpages für meine Räume bereits fertig und veröffentlicht.


Geplant hatte ich 3 verschiedene Detoxräume für diesen Herbst. Der Klassikdetox sollte in die wahnsinnige siebente Runde starten.  Sechs Mal habe ich bereits Frauen durch diese besondere Zeit begleitet. Für manche von euch gehört mein Detox mittlerweile fast genauso zum Jahresrhythmus wie der erste kühle Morgen nach den Tropennächten, die kürzer werdenden Tage und dieses wehmütige Gefühl, wenn der Sommer langsam seine Sachen packt.


Und genauso selbstverständlich war für mich bis vor kurzem klar: im Herbst 2026 geht es weiter.


Bis es sich irgendwann gar nicht mehr selbstverständlich angefühlt hat, sondern schwer. Dazu kam mein Unfall vor einigen Wochen in Slowenien, der mich auch so richtig zum Nachdenken brachte. Mein selbstgewählter Rückzug hat mich Vieles überdenken lassen.


"Die erwarten das doch von mir!"


Ich sags dir, dieser Gedanke war riesig, überirdisch groß und irgendwann auch ziemlich erdrückend in meinem Solarplexus.  Meine Soulis warten doch darauf.

Die Termine stehen, die Preise sind festgelegt, die Landingpages sind fertig und und und...


In meinem Kopf so cirka: "Du hast sechs Runden gemacht, die Frauen kennen das, manche rechnen fix damit.  Du kannst jetzt doch nicht einfach sagen: diesen Herbst nicht."


Und wenn ich jetzt ganz ehrlich zu dir bin sag ich dir,  ich war sehr versucht, es einfach durchzuziehen. Weil ich es super gut kann, denn ich habe das Wissen UND die Erfahrung,

ich kenne die Abläufe im Schlaf. Ich könnte Runde sieben vermutlich auch mit verbundenen Augen organisieren.


Aber genau an dieser Stelle begann es in mir richtig laut und richtig unangenehm zu werden. Denn in diesen Tagen meines Rückzugs musste ich mir diese ziemlich unangenehme Frage selbst stellen:


Öffne ich diesen Raum gerade, weil ich ihn wirklich öffnen möchte – oder weil ich Angst davor habe, was passiert, wenn ich es nicht tue?


Meine Antwort war erstaunlich klar. Also habe ich die Landingpages geschlossen und meine Soulis in meinen Gruppen vorab informiert.


Und dann kam etwas, womit ich in dieser Deutlichkeit kaum gerechnet hatte. Ich war sowas von erleichtert. So viel Erleichterung habe ich schon lange nicht mehr in mir gespürt.  Als hätte mein Inneres längst gewusst, was mein Kopf noch eine ganze Weile mit mir diskutieren wollte.


Es wird im Herbst 2026 also keine siebente Detoxrunde geben.


Und auch meine anderen geplanten Räume bleiben geschlossen.

Das schreibe ich hier so deutlich hin, weil einige von euch bereits darauf warten und weil ich weiß, dass manche regelmäßig schauen, wann die Anmeldung endlich öffnet. Sie öffnet diesen Herbst nicht.


Und gleichzeitig ist das hier keine Beerdigung meines Detoxprogramms. Denn ich liebe dieses Wissen weiterhin, ich liebe die Spagyrik und ich liebe Körperwissen.

Ich liebe diese besondere Zeit, in der wir unserem Körper und unserer Seele wieder bewusster zuhören, sie begleiten, entlasten und bewusster wahrnehmen.


Und selbstverständlich werde ich selbst auch diesen Herbst wieder meine Ausleitung mit Ionis Spagyrik machen. Nach dem nächsten Vollmond geht es für mich schon los.

Und weißt du was? Mein Körper freut sich schon richtig darauf. Ich freue mich auch darauf.


Ich sehne mich danach, meine 3 Fläschchen herzurichten und in diesen tief vertrauten Rhythmus einzutauchen. Dieses Jahr allerdings als Teilnehmerin meines eigenen Wissens, ohne gleichzeitig eine Gruppe zu führen. Ohne dass ich täglich Impulse einspreche.

Ganz ohne einen Raum zu halten und ohne verantwortlich dafür zu sein, wie es allen anderen gerade geht.


Ich werde meine Ausleitung einfach nur für mich machen. Vermutlich ist genau das gerade dran.


Und ihr ehemaligen Detoxfrauen?

Ihr habt längst alles. Das wurde mir dieser Tage ebenfalls bewusst. Alle Frauen, die bereits eine Detoxrunde mit mir gemacht haben, besitzen so einen großen Schatz.

Die meisten sind noch in einer der Gruppen, dort liegen noch alle Unterlagen, Audios und Links zu den Videocalls. Auch die sind abrufbar.  Ihr habt mein Wissen aus unserer gemeinsamen Zeit.


Und vor allem habt ihr etwas, das viel wertvoller ist als eine neue Landingpage: eure eigene Erfahrung. Ihr kennt euren Körper inzwischen ein Stück besser. Ihr kennt die Abläufe gut.

Ihr wisst, was euch in dieser Zeit besonders unterstützt.


Womöglich beginnt die eine oder andere von euch nach dem nächsten Vollmond sogar gemeinsam mit mir, ohne dass wir daraus offiziell „Detox Runde sieben“ machen.

Jede bei sich. Und irgendwie mag ich diesen Gedanken sehr, dass mein Wissen längst hinausgegangen ist und dass es bei euch weiterleben darf.

Dass gute Begleitung irgendwann auch bedeutet, Menschen zuzutrauen, ihren Weg selbst weiterzugehen. Und dann hört irgendwo eine von euch eines meiner alten Audios, während ich zuhause gerade selbst meine Ausleitung mache.


Und für diesen einen Moment sind wir dann doch wieder miteinander verbunden.

Ganz ohne neuen Raum.


Aber Tanja, hast du keine Angst, deine Soulis zu verlieren?


Doch hab ich. Natürlich tauchte diese Frage bei mir sofort auf. Ich habe schließlich über Jahre etwas aufgebaut. Eine Community die mir vertraut, Herzensverbindungen, Frauen, die immer wieder in meine Räume kommen.  Großartige Menschen, die meine Arbeit kennen. Ich nenn sie ja liebevoll meine "Soulis".


Und natürlich weiß ich, dass Menschen weitergehen, wenn eine Tür geschlossen bleibt.

Ja ich bin sicher es finden einige von euch eine andere Begleiterin. Oder du entdeckst etwas vollkommen Neues. Vielleicht verändert sich euer Leben auch. (Ziemlich sicher tut es das)

Meines verändert sich gerade gewaltig.


Und ja, irgendwann taucht auch dieser Gedanke auf:

Was ist, wenn ich im Frühling 2027 wieder eine Tür öffne und niemand mehr davorsteht?


Das ist ein interessanter Moment. Denn aus Angst davor könnte ich meine Räume natürlich geöffnet lassen. Ich könnte Runde sieben machen, damit du bleibst. Ich könnte den nächsten Raum planen, damit unsere Verbindung bestehen bleibt. Ich könnte immer wieder etwas Neues erschaffen, damit du weiterhin einen Grund hast, bei mir zu sein.


ABER genau so möchte ich Beziehung in meinem Business immer weniger leben.

Ich möchte euch frei lassen. Und ich möchte mich frei lassen.


Manche Menschen begleiten uns eben nur für eine Saison. Andere gehen dafür jahrelang neben uns. Einige verschwinden irgendwann aus unserem Blickfeld und stehen Jahre später plötzlich wieder vor uns, und innerhalb weniger Minuten fühlt es sich total vertraut an.


Ich kann heute weder wissen noch kontrollieren, wer im Frühling 2027 noch hier sein wird.

Und für mich ist genau das Vertrauen. Ich gehe meinen Weg und du gehst deinen.

Und wenn unsere Wege sich wieder treffen sollen, dann treffen sie sich.


Vielleicht schreibe ich im Frühling 2027 plötzlich: Detox is back, ihr wundervollen Augen.

Ich kann mir das sogar richtig gut vorstellen. Ganz sicher bekommt das Detox bis dahin eine neue Form. Aber vielleicht fühlt es sich genauso vertraut an wie früher.

Eventuell sitze ich irgendwann im Winter an meinem Küchentisch vorm eingeheizten blauen Ofen, eine Idee schießt mir durch den Kopf und plötzlich ist es wieder da:

Dieses Kribbeln, dieses: Jaaaa. Genau DAS möchte ich wieder mit euch machen.


Und genau aus diesem Gefühl möchte ich meine Räume in Zukunft öffnen. Aus Vorfreude und aus purer Lust, aus einem Überfließen und Leidenschaft fürs Tun. Weil etwas durch mich in die Welt möchte. Und weniger aus diesem erdrückenden Satz: Die erwarten das doch von mir.


Ja genau das ist mein Herbst-Detox 2026.

Ich kann inzwischen ein bisschen darüber lachen. Sechs Mal habe ich Frauen durch eine Detoxzeit begleitet. Und ausgerechnet in dem Herbst, in dem Runde sieben fix geplant war, besteht mein eigenes Detox offenbar aus etwas ganz anderem.

Ich sortiere Erwartungen und Rollen aus. Das Gefühl, etwas weiterführen zu müssen, weil ich es bisher immer getan habe.


Ich bin überzeugt, wenn du tief genug in dir kramst, kennst du dieses Gefühl aus deinem eigenen Leben. Vielleicht bist du seit Jahren diejenige, die Weihnachten ausrichtet.

Oder die an jeden Geburtstag in der Familie denkt und sämtliche Familienfeste organisiert.

Die Frau, die immer zuhört, die einspringt und die absolut zuverlässig ist. Die Frau, die stets alles im Blick behält.


Forsche mal nach, da  gibt es auch sicher in deinem Leben etwas, das einmal aus einem fröhlichen „Ich mache das gerne“ entstanden ist und sich irgendwann ganz leise in ein „Alle erwarten, dass ich das mache“ verwandelt hat.

Und ich finde es lohnt sich, genau dort einmal hinzuspüren. Denn Freude braucht Freiheit.


Ich möchte geben, wenn etwas in mir überfließt. Und gerade fließt meine Energie woandershin.

Ich bin selbst die Frau am Wendepunkt


Und irgendwie liebe ich die Ironie daran. Ich habe so viele Frauen an Wendepunkten begleitet. Ich spreche darüber, der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen, Veränderungen Raum zu geben und weniger schnell nach der nächsten Antwort zu greifen.

Und jetzt stehe ich wieder mal selbst mitten in einem solchen Dazwischen.


Mein berufliches Leben verändert sich, ich schreibe grad viel, mein Buchprojekt geht gut voran, ich Blumenauge mache regelmäßig meinen Podcasts. (Immer Mittwoch und Sonntag übrigens hier nachzuhören)


Ich möchte auf unserem Hof leben und viel mehr mitten in meinem wirklichen Alltag sein.

Und gleichzeitig öffnet sich mit dem Hospizdienst eine Tür, die mich auf eine ganz besondere Weise ruft.


Wie daraus einmal ein neues Ganzes entsteht, darf sich zeigen.

Dieser Herbst braucht dafür für mich noch keine fertige Überschrift. Er bekommt etwas, das in meinem Leben erstaunlich selten geworden ist: Platz.


Meine Räume bleiben im Herbst 2026 also geschlossen und die siebente Detoxrunde darf geduldig warten. Mein eigenes Detoxprogramm beginnt nach dem nächsten Vollmond.

Meine ehemaligen Detoxfrauen haben alles in ihren Händen, um ihren Weg ebenfalls weiterzugehen.


Und meine Soulis?


Ich freue mich über jede von euch, die hier bleibt, meine Geschichten liest, meinen Podcast hört und mich durch diesen etwas anderen Herbst begleitet. Vielleicht zieht es manche von euch währenddessen ganz woanders hin. Eventuell entdeckt ihr neue Menschen, neue Räume, neue Wege. Womöglich begegnen wir uns im Frühling wieder. Oder viel später.

Ich glaube, unsere Verbindung braucht gerade keinen geöffneten Raum, um eine Verbindung zu bleiben.


Und wenn ich irgendwann wieder eine Tür zu einem meiner Räume öffne, wünsche ich mir etwas ganz Einfaches: dass du davorstehst, weil du wirklich hineinmöchtest.

Und dass ich auf der anderen Seite stehe und sie öffne, weil ich wirklich dort sein möchte.


Keine Angst, die uns zusammenhält und keine Erwartung. Sondern ein beidseitiges:

Jaaaa. Jetzt passt es wieder.


Bis dahin behalte ich den Schlüssel und lasse die Tür zu. Ich fühle, es ist nicht für immer, sondern für jetzt.


Und für mich ist genau das grad die ehrlichste Form, mir selbst treu zu bleiben.

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Ich verstand in diesem Moment überhaupt nicht, was gerade mit mir passierte. Mein Körper reagierte schneller als mein Verstand. Ich stützte mich ab und landete auf meinen Armen, auf meinem linken Daumen und meiner rechten Handfläche. Und dann tat ich etwas, das ich heute mit ein paar Tagen Abstand sehr interessant finde. Ich sprang sofort wieder auf. Ich drehte mich seitlich um und sah ein Auto. Ein älterer Mann saß am Steuer. Er hatte mich offenbar touchiert und war stehen geblieben. Wir konnten uns sprachlich nicht verständigen. Und ich? Ich sagte sinngemäß: Mir ist nichts passiert. Ich sah an mir runter und ich blutete schließlich auch nirgends. Mein Kopf hatte den Boden verschont :-) Ich stand auf meinen Beinen. Also war doch alles gut. Oder? Heute sehe ich diese wenigen Sekunden mit anderen Augen. Das Auto- der Aufprall - der Boden - sofort Aufstehen - mich kurz Orientieren und Weitermachen. Es ist eine Abfolge von Handlungen, die mein Körper offenbar sehr gut kennt. Denn wenn ich auf mein Leben zurückblicke, erkenne ich dieses Muster in beinahe jeder großen Krisensituation: Zuerst habe ich funktioniert. Wenn mein Leben wild wurde, nahm ich das Ruder noch fester in die Hand. Ich organisierte, regelte, entschied und ich trug. Ich kümmerte mich und ich fand Lösungen. Das Ruder festzuhalten ist eine meiner großen Fähigkeiten. Vielleicht sogar eine meiner Überlebensstrategien? Und deshalb sprang ich auch an diesem Sonntag Nachmittag sofort wieder auf. Mein Körper lag gerade auf dem Asphalt und irgendein Teil in mir sagte bereits: weiter Tanja. Ich ging auf die Toilette und bemerkte dort, dass ich mich irgendwie unwohl fühlte. Als ich zu meiner Schwägerin zurückkam, sah sie mich an und sagte, ich sei ganz weiß im Gesicht. Der Schock war längst da, auch wenn mein Verstand noch versuchte, die Situation einzuordnen. Ich rief meine Freundin an, die ebenfalls Heilerin ist, erzählte ihr, was passiert war, und ließ mich von ihr begleiten. Plötzlich war mir zum Weinen. Wir machten kalte Umschläge auf meine Hand und meinen Nacken und irgendwann fuhren wir weiter. Der erste Schock ließ nach. Die Schmerzen in meiner Hand wurden stärker. Und am nächsten Morgen kam mein Körper. So kann ich es bis heute am besten beschreiben: Ich fühlte mich zersplittert. Zerschlagen. Mein ganzer Körper schmerzte. Mein Nacken tat weh, mein Kopf tat weh und gleichzeitig fühlte ich mich auf eine eigenartige Weise von mir selbst abgetrennt. Als wäre etwas in mir noch gar nicht vollständig zurückgekehrt. Also legte ich mich auf meine geliebte Pranamatte und begann zu meditieren. Und dort geschah etwas, womit ich niemals gerechnet hätte. Ich traf meinen Bruder. Mein Bruder starb im Jahr 2000. Und seit seinem Tod hatte ich ihn auf diese Weise kein einziges Mal erlebt. Jetzt war er da. Und er umarmte mich. Ich begann während der Meditation zu weinen und als ich wieder ganz ins Hier und Jetzt zurückkam, liefen mir immer noch dicke Tränen über das Gesicht. Diese Begegnung hat etwas in mir geöffnet. Denn plötzlich wurde mir mit einer Klarheit, die ich kaum in Worte fassen kann, bewusst: Ich hätte sterben können. Ein Auto hatte mich angefahren. Dieses Mal war es glimpflich ausgegangen. Und trotzdem war da auf einmal dieses Wissen um die Zerbrechlichkeit meines Lebens. Nicht theoretisch. Körperlich. Ich hatte gerade am eigenen Leib erfahren, wie schnell sich innerhalb eines einzigen Augenblicks alles verändern kann. Und in meiner Meditation fühlte es sich an, als hätte mein Bruder mir noch etwas anderes gezeigt. Dass er da gewesen ist. Dass er mich empfangen hätte. Dass er sich total gefreut hat, mich wiederzusehen. Und gleichzeitig spürte ich etwas vollkommen anderes in mir. Eine Entscheidung. Ich bleibe. Ich habe mich noch einmal für dieses Leben entschieden. Vielleicht lässt sich eine spirituelle Erfahrung niemals vollständig mit Worten erklären. Und vielleicht braucht sie das auch gar nicht. Ich kann lediglich erzählen, wie sie sich für mich angefühlt hat. In diesem Moment fühlte es sich an, als hätte ich mich noch einmal bewusst für dieses Leben entschieden. Für dieses Leben, für meinen Körper, für meine Familie, für meinen Partner. Für meine Kinder, für unsere Tiere, für unseren Hof. Für all die vollkommen unspektakulären Tage, an denen Hühner gefüttert, Pflanzen gegossen, Essen gekocht, Wäsche gewaschen und Brot gebacken wird. Für das Lachen, für das Lieben. Für das Menschsein. Für all das, was noch durch mich gelebt werden möchte. Ich bleibe. Und nachdem ich diese Entscheidung gespürt hatte, tat ich etwas, das für mich vielleicht genauso bedeutsam war: Ich ließ mich halten. Ich habe unglaublich viel geweint. Ich suchte die Nähe meines Partners. Ich erzählte meiner Mama von meiner Erfahrung und ließ mich von ihr trösten. Und irgendwann bemerkte ich, wie wohltuend es war, gerade selbst einmal überhaupt keinen Raum für jemanden halten zu müssen. Ich durfte diejenige sein, die gehalten wird. Das klingt so einfach. Für mich ist es das gerade überhaupt nicht. Ich bin es gewohnt, Räume zu halten. Für meine Familie, für Frauen, für Klientinnen. Für Menschen, die mit ihren Geschichten zu mir kommen. Ich begleite, fühle, höre, nehme wahr, gebe Impulse, öffne Räume. Und plötzlich wollte etwas in mir genau die entgegengesetzte Bewegung. Zu mir, nach innen, in die Stille. Ich bat deshalb auch die Menschen in meinem Umfeld, von Ratschlägen abzusehen. Denn diesen Prozess will ich selbst durchschreiten, ich will hören, was meine eigene Seele mir erzählt. Ich will meine Wahrnehmung spüren, bevor andere Menschen ihre Wahrnehmungen darüberlegen. Es gibt diesen Satz: a uch Ratschläge sind Schläge. Nach einem tatsächlichen körperlichen Aufprall bekommt dieser Satz für mich gerade eine vollkommen neue Bedeutung. Mein System hatte genug Input bekommen. Jetzt brauche ich Raum. Je länger ich in den vergangenen Tagen mit diesem Erlebnis sitze, desto stärker empfinde ich den Unfall auch symbolisch. Ein Auto in Bewegung- Geschwindigkeit - Außenwelt - Vorwärts - im Tun. Für mich trägt all das eine starke Yang-Energie. Und genau diese Energie trifft mich. Sie bringt mich zu Fall. Und meine unmittelbare Reaktion? Aufspringen. Natürlich war das eine Schockreaktion. Und gleichzeitig erkenne ich darin heute etwas aus meinem ganzen Leben wieder. Wenn etwas passiert, stehe ich auf. Wenn es schwierig wird, übernehme ich das Ruder. Wenn ein Sturm kommt, halte ich es eben noch ein bisschen fester. Ich kann das, verdammt gut sogar. Diese Fähigkeit hat mich durch einige der dunkelsten Stunden meines Lebens getragen. Heute frage ich mich allerdings etwas anderes: Muss ich das Ruder wirklich immer in der Hand halten? Seit diesem Unfall zieht es mich in eine vollkommen andere Energie. In die Stille, ins Schlafen, ins Weinen, ins Empfangen, in die Meditation. Zu meinem Partner, zu meiner Familie, zu meinen Tieren, zu meinem Zuhause, zu mir. Vom Yang ins Yin. Vom Machen ins Sein. Vom Halten ins Gehaltenwerden. Vom Geben ins Empfangen. Vom Außen ins Innen. Und vermutlich liegt genau hier mein eigentlicher Weckruf. Dieser Unfall erzählt mir weniger davon, was ich in Zukunft alles verändern soll. Er lädt mich vielmehr dazu ein, eine andere Qualität des Lebens kennenzulernen. Eine, in der ich das Ruder manchmal lockerer halte. Eine, in der ich dem Leben zutraue, ebenfalls eine Strömung zu besitzen. Heute habe ich wieder meditiert, wie jeden Tag seit diesem speziellen Sonntag. Und in dieser Meditation bekam ich von meinem Geistführer einen sehr klaren Impuls: Komm erst zurück, wenn deine blauen Flecken verschwunden sind. Außerdem kamen zwei weitere Impulse: Mein Bewusstsein auszudehnen und Zitronenwasser zu trinken. Ich musste über Letzteres direkt ein bisserl schmunzeln. So sind meine Meditationen ganz oft:-) Große kosmische Botschaften treffen auf Zitronenwasser. Willkommen in meinem verrückten Leben. Doch gerade das Bild meiner blauen Flecken berührt mich. Mein Körper trägt im Moment sichtbar die Spuren dessen, was geschehen ist. In blau- lila-grün-Tönen. Sie verändern sich jeden Tag. Mein Körper ist in Heilung. Und während mein Körper diese sichtbaren Spuren verwandelt, darf offenbar auch in meinem Inneren etwas seine Gestalt verändern. Deshalb möchte ich gerade gar keine Entscheidung darüber treffen, wann ich wieder zurückkehre, oder wie, oder wohin überhaupt. Vielleicht darf meine Haut mir diesmal den Rhythmus vorgeben. Seit dem Unfall denke ich viel über Lebensenergie nach. Denn wenn einem plötzlich bewusst wird, dass auch diese Inkarnation endlich ist, verändert sich der Blick darauf, wofür man seine Energie verwendet. Meine Lebensenergie ist mir unglaublich kostbar. Sie ist die Kraft, mit der ich liebe. Mit der ich meine Kinder umarme, mit der ich meinen Partner berühre. Mit der ich Brot backe und mit der ich meine Tiere versorge. Mit der ich hier meinen geliebten Blog schreibe. Mit der ich Frauen begleite. Mit der ich lache, weine, denke, träume, gärtnere, koche, lerne und erschaffe. Diese Energie ist mein Leben. Und ich werde zukünftig noch viel bewusster damit umgehen. Weniger aus einem Gefühl des permanenten Verfügbarseins heraus. Mehr aus Fülle und aus Verkörperung. Mehr aus einem inneren ganz lauten Ja. Ich spüre gerade sehr deutlich: Ich möchte mein Leben zuerst leben und irgendwann darüber erzählen. Ich möchte Erfahrungen erst durch meinen Körper wandern lassen. Ich möchte sie schmecken und ich möchte sie verdauen. Ich möchte sie zu meiner eigenen Wahrheit werden lassen. Und irgendwann dürfen Worte daraus entstehen. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.... In den vergangenen Wochen beschäftigt mich immer wieder das Bild des Gefäßes. Und inzwischen verstehe ich langsam, warum. Ein Gefäß rennt dem Wasser nicht hinterher. Es muss den Fluss nicht kontrollieren. Es hält sich bereit, es empfängt, es lässt sich füllen. Und aus einem gefüllten Gefäß kann etwas weiterfließen. Viel zu lange habe ich geglaubt, ich müsste vor allem diejenige sein, die das Ruder hält. Aber was geschieht, wenn ich zum Gefäß werde? Wenn ich mich einfach vom Leben füllen lasse? Wenn meine Kraft weniger daraus entsteht, dass ich alles unter Kontrolle halte, und mehr daraus, dass ich tief mit mir verbunden bin? Wenn ich empfange, bevor ich gebe? Wenn ich mich halten lasse, bevor ich andere halte? Ich fühle, hier beginnt eine vollkommen andere Form von Kraft. Eine weichere, eine weiblichere, eine, die weniger beweisen muss. Eine, die aus der Tiefe entsteht. Ich weiß noch nicht, welche Frau zurückkommen wird. Und genau deshalb endet dieser Text heute mitten in der Geschichte. Meine blauen Flecken sind noch da. Mein Körper heilt, ab und an weine ich noch. Ich schlafe viel. Ich meditiere und tanze. Frühmorgens neben den Hühnern. Sie finden das super spannend :-) Ich lasse mich halten, ich höre mir selbst zu... Ja und natürlich trinke ich mein Zitronenwasser. Und ich habe gerade überhaupt kein Bedürfnis, aus dieser Erfahrung bereits ein fertiges Konzept zu machen. Nicht jede Erfahrung braucht einen sofortigen Sinn. Zu allererst braucht sie Raum zum Atmen und Werden. Mein Bruder hat mich umarmt. Ich habe gespürt, dass ich bleiben möchte. Und seitdem frage ich mich mehrmals am Tag, wie ich dieses Bleiben für mich gestalten möchte. Denn wenn ich mich noch einmal für dieses Leben entschieden habe, dann möchte ich auch wirklich hier sein. In meinem Körper, bei den Menschen, die ich liebe. In meinem Zuhause, in meiner Freude, in meiner Stille, in meiner Arbeit. In meiner Seele. Mit meiner ganzen Lebenskraft . Ich weiß heute noch nicht, welche Frau zurückkommen wird, wenn meine blauen Flecken verschwunden sind. Aber ich bin heute schon ziemlich sicher, sie wird das Ruder ein wenig lockerer in ihren Händen halten. Ganz sicher wird sie öfter den Kopf heben, den Wind spüren und sich daran erinnern, dass ein Fluss seine eigene Richtung kennt. Ich wünsche mir mein Vertrauen besteht irgendwann genau darin: mich vom Leben tragen zu lassen, während meine Hände frei werden. Das Leben ist schön. Punkt.
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