Was meine 4 Töchter mich über das Leben gelehrt haben

21. Juni 2026

Wenn ich heute auf meine vier Töchter blicke, sehe ich drei junge Frauen und ein Mädchen...

Was ich gleichzeitig sehe, sind vier Geschichten, die beinahe nie geschrieben worden wären.


Ich wollte immer schon jung Mama werden. Während andere nach dem Studium die Welt bereisten oder Karrierepläne schmiedeten, trug ich bereits mein erstes Baby im Arm. Mit 22 Jahren wurde ich das erste Mal Mama. Rückblickend war das eines der größten Geschenke und gleichzeitig das größte Abenteuer meines Lebens.


Jung Mama zu sein bedeutet, dass man vieles einfach macht. Man denkt weniger nach, man hat weniger Angst und man vertraut mehr.


Meine erste Tochter kam also in mein Leben und machte mich zur Mama. Zur ersten Frau in meiner Ahnenlinie, die wieder voll und lange gestillt hat. Damals wusste ich noch nicht, welche Reise vor uns liegen würde.


Zwischen meiner ersten und zweiten Tochter musste ich lernen, dass nicht jede Schwangerschaft in einer Geburt mit einem propperen Baby endet. Ich denke oft noch an meine Sternenkinder... einer davon war ein Junge mit Down Syndrom und schwerem Herzfehler. Er hat sich selbst auf die Reise zu den Sternen gemacht.. ich habe ihn zuhause in meine Hände geboren.. ich war grad mal 25...


Ein weiteres Sternenkind machte sich auf unserer Hochzeitsreise auf den Weg in den Himmel.. mitten im Urlaub in Kroatien.. ich war nicht der Sprache mächtig im Krankenhaus.. der Arzt nicht sehr mitfühlend.. aber ich hatte ja jetzt schon Erfahrung.. mit 26..


Meine Sternenkinder sind Träume, die nur für kurze Zeit bei uns zu Gast waren, doch jedes hat einen fixen Platz in meinem Herzen. Bis schließlich eine wundervolle Seele beschloss, bis zum Ende der Schwangerschaft zu bleiben. Na wenigstens fast.


Denn in ihrer Schwangerschaft kam ich eine Herzmuskelentzündung, nach einer Grippeschutzimpfung. Es war eine beschwerliche Schwangerschaft mit ganz viel Liegen und 24 h Monitoring und einer 3 jährigen Tochter, die ganz früh lernte, Rücksicht zu nehmen auf die Bedürfnisse der anderen. Bei der geplanten Sectio in der 37. Woche meiner 2. Tochter erlitt ich einen Herzstillstand. Und mit diesem Herzstillstand eine Erfahrung, für die mir bis heute manchmal die Worte fehlen.


Meine Nahtoderfahrung. Sie sollte mein Leben für immer verändern.


Meine zweite Tochter ist eine zarte Seele, ja ich würde sagen sie ist eine Elfe. Eine jener seltenen Menschen, die einen Raum betreten und etwas darin verändern, ohne auch nur ein Wort zu sagen.


Nach ihrer Geburt war die Familienplanung aus medizinischer Sicht abgeschlossen. So zumindest lautete die Theorie der Ärzte. Meine dritte Tochter hatte offenbar andere Pläne. Sie schummelte sich in unser Leben. Und sie kam, um zu bleiben.


Mit ihr durfte ganz viel Heilung geschehen. Nach zwei Kaiserschnitten schenkte sie mir eine spontane Geburt, innerhalb weniger Stunden. Als wollte sie mir zeigen, dass Geschichten auch anders ausgehen können.


Sie war ein Papamädel durch und durch. Als ihr Papa starb, war sie erst vier Jahre alt. Vier Jahre! Oft denke ich heute noch darüber nach, wie viel Leben ein Kinderherz tragen kann.


Dann trat mein 2. Mann in unser Leben. Mit zwei eigenen Kindern. Jeder im Umfeld hat uns für verrückt erklärt. Eine junge Witwe und insgesamt 5 Kinder? Das kann nicht klappen.


Zu diesem Zeitpunkt waren wir überzeugt, dass unsere Familie vollständig war. Fünf Kinder. Das klang nach einer vernünftigen Entscheidung.


Dann erschien die Räubertochter. Zuerst als Gefühl, später als Ahnung. Als Seele, die anklopfte an unsere Tür... Sie wollte genau in unsere Familie geboren werden. Und sie blieb hartnäckig. Trotz vieler Hürden, Herausforderungen und gescheiterten Versuchen kam sie 2019 zur Welt und machte aus unserer Familie das, was sie heute ist.


Chaotisch. Lebendig. Laut. Liebevoll. Verrückt. Vollständig.


Vor kurzem wurde ich von einer Klientin gefragt, was meine vier Töchter mich über das Leben gelehrt haben. Die Antwort hat sie überrascht.


Sie haben mich gelehrt, dass das Leben seinen eigenen Plan hat. Dass Liebe größer ist als jede Planung. Dass Verlust und Glück am selben Tisch sitzen können. Dass Freiheit ein Geschenk ist. Dass Kinder keine Kopien ihrer Eltern werden müssen. Und dass Vertrauen oft die schönste Form von Liebe ist.


Meine Töchter müssen keine meiner Träume leben.

Das tue ich selbst. Sie dürfen ihre eigenen finden. Ihre eigenen Fehler machen. (Und sie wissen auch, dass es eigentlich keine Fehler gibt, denn alles sind nur Erfahrungen, die wir sammeln dürfen um zu Erkenntnissen zu gelangen)


Sie dürfen ihre eigenen Wege gehen. (Also ob sie mich danach fragen würden)


Und während ich manchmal nachts wach liege, wenn sie unterwegs sind, weiß ich tief in meinem Herzen, dass genau das meine Aufgabe als Mama war: Sie stark genug zu lieben, damit sie ihren eigenen Weg gehen können.


Wenn ich heute noch einmal von vorne beginnen dürfte, würde ich alles wieder genauso wählen.

Die schlaflosen Nächte, die Sorgen, die Wäscheberge, die Tränen, die Fehlgeburten, das Chaos, die Liebe. Einfach alles.


Denn Kinder machen das Leben auf eine Weise reich, für die es keine Worte gibt.

Und meine vier Mädchen erinnern mich jeden Tag daran, dass das Leben trotz allem, was geschieht, immer wieder Ja zum Leben sagt.


Das Leben ist schön. Punkt.


von 113f33a9-2cef-41c3-bba9-ff55566bbe5f 31. August 2026
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Manchmal verändert sich das Leben innerhalb weniger Sekunden. Du stehst irgendwo, mitten in deinem Sein, denkst an vollkommen alltägliche Dinge – und plötzlich gibt es ein Davor und ein Danach. Bei mir war dieses Irgendwo der Trojanipass vergangenes Wochenende. Ich kam gerade aus einem grenzgenialen superlustigen Mädelsurlaub mit meiner Schwägerin. Unserem ersten übrigens, obwohl wir uns seit mehr als 30 Jahren kennen. Wir gönnten uns ein Wochenende in Piran in Slowenien, hatten unglaublich viel Spaß, gelacht, gelebt, Wein genossen und beschlossen auf der Heimfahrt ganz spontan, noch bei der Krapfenwirtin am Trojanipass stehenzubleiben. Ein Krapfen für die Daheimgebliebenen. Klingt eigentlich nach einem ziemlich guten Plan, oder? Ich ging Richtung Toilette, direkt vor dem Haupteingang, als ich plötzlich einen Stoß wahrnahm. Ich erinnere mich an diesen Sekundenbruchteil ziemlich genau. Da war dieser Stoß und gleichzeitig der Gedanke: Jetzt fliege ich. Warum fliege ich? Ich verstand in diesem Moment überhaupt nicht, was gerade mit mir passierte. Mein Körper reagierte schneller als mein Verstand. Ich stützte mich ab und landete auf meinen Armen, auf meinem linken Daumen und meiner rechten Handfläche. Und dann tat ich etwas, das ich heute mit ein paar Tagen Abstand sehr interessant finde. Ich sprang sofort wieder auf. Ich drehte mich seitlich um und sah ein Auto. Ein älterer Mann saß am Steuer. Er hatte mich offenbar touchiert und war stehen geblieben. Wir konnten uns sprachlich nicht verständigen. Und ich? Ich sagte sinngemäß: Mir ist nichts passiert. Ich sah an mir runter und ich blutete schließlich auch nirgends. Mein Kopf hatte den Boden verschont :-) Ich stand auf meinen Beinen. Also war doch alles gut. Oder? Heute sehe ich diese wenigen Sekunden mit anderen Augen. Das Auto- der Aufprall - der Boden - sofort Aufstehen - mich kurz Orientieren und Weitermachen. Es ist eine Abfolge von Handlungen, die mein Körper offenbar sehr gut kennt. Denn wenn ich auf mein Leben zurückblicke, erkenne ich dieses Muster in beinahe jeder großen Krisensituation: Zuerst habe ich funktioniert. Wenn mein Leben wild wurde, nahm ich das Ruder noch fester in die Hand. Ich organisierte, regelte, entschied und ich trug. Ich kümmerte mich und ich fand Lösungen. Das Ruder festzuhalten ist eine meiner großen Fähigkeiten. Vielleicht sogar eine meiner Überlebensstrategien? Und deshalb sprang ich auch an diesem Sonntag Nachmittag sofort wieder auf. Mein Körper lag gerade auf dem Asphalt und irgendein Teil in mir sagte bereits: weiter Tanja. Ich ging auf die Toilette und bemerkte dort, dass ich mich irgendwie unwohl fühlte. Als ich zu meiner Schwägerin zurückkam, sah sie mich an und sagte, ich sei ganz weiß im Gesicht. Der Schock war längst da, auch wenn mein Verstand noch versuchte, die Situation einzuordnen. Ich rief meine Freundin an, die ebenfalls Heilerin ist, erzählte ihr, was passiert war, und ließ mich von ihr begleiten. Plötzlich war mir zum Weinen. Wir machten kalte Umschläge auf meine Hand und meinen Nacken und irgendwann fuhren wir weiter. Der erste Schock ließ nach. Die Schmerzen in meiner Hand wurden stärker. Und am nächsten Morgen kam mein Körper. So kann ich es bis heute am besten beschreiben: Ich fühlte mich zersplittert. Zerschlagen. Mein ganzer Körper schmerzte. Mein Nacken tat weh, mein Kopf tat weh und gleichzeitig fühlte ich mich auf eine eigenartige Weise von mir selbst abgetrennt. Als wäre etwas in mir noch gar nicht vollständig zurückgekehrt. Also legte ich mich auf meine geliebte Pranamatte und begann zu meditieren. Und dort geschah etwas, womit ich niemals gerechnet hätte. Ich traf meinen Bruder. Mein Bruder starb im Jahr 2000. Und seit seinem Tod hatte ich ihn auf diese Weise kein einziges Mal erlebt. Jetzt war er da. Und er umarmte mich. Ich begann während der Meditation zu weinen und als ich wieder ganz ins Hier und Jetzt zurückkam, liefen mir immer noch dicke Tränen über das Gesicht. Diese Begegnung hat etwas in mir geöffnet. Denn plötzlich wurde mir mit einer Klarheit, die ich kaum in Worte fassen kann, bewusst: Ich hätte sterben können. Ein Auto hatte mich angefahren. Dieses Mal war es glimpflich ausgegangen. Und trotzdem war da auf einmal dieses Wissen um die Zerbrechlichkeit meines Lebens. Nicht theoretisch. Körperlich. Ich hatte gerade am eigenen Leib erfahren, wie schnell sich innerhalb eines einzigen Augenblicks alles verändern kann. Und in meiner Meditation fühlte es sich an, als hätte mein Bruder mir noch etwas anderes gezeigt. Dass er da gewesen ist. Dass er mich empfangen hätte. Dass er sich total gefreut hat, mich wiederzusehen. Und gleichzeitig spürte ich etwas vollkommen anderes in mir. Eine Entscheidung. Ich bleibe. Ich habe mich noch einmal für dieses Leben entschieden. Vielleicht lässt sich eine spirituelle Erfahrung niemals vollständig mit Worten erklären. Und vielleicht braucht sie das auch gar nicht. Ich kann lediglich erzählen, wie sie sich für mich angefühlt hat. In diesem Moment fühlte es sich an, als hätte ich mich noch einmal bewusst für dieses Leben entschieden. Für dieses Leben, für meinen Körper, für meine Familie, für meinen Partner. Für meine Kinder, für unsere Tiere, für unseren Hof. Für all die vollkommen unspektakulären Tage, an denen Hühner gefüttert, Pflanzen gegossen, Essen gekocht, Wäsche gewaschen und Brot gebacken wird. Für das Lachen, für das Lieben. Für das Menschsein. Für all das, was noch durch mich gelebt werden möchte. Ich bleibe. Und nachdem ich diese Entscheidung gespürt hatte, tat ich etwas, das für mich vielleicht genauso bedeutsam war: Ich ließ mich halten. Ich habe unglaublich viel geweint. Ich suchte die Nähe meines Partners. Ich erzählte meiner Mama von meiner Erfahrung und ließ mich von ihr trösten. Und irgendwann bemerkte ich, wie wohltuend es war, gerade selbst einmal überhaupt keinen Raum für jemanden halten zu müssen. Ich durfte diejenige sein, die gehalten wird. Das klingt so einfach. Für mich ist es das gerade überhaupt nicht. Ich bin es gewohnt, Räume zu halten. Für meine Familie, für Frauen, für Klientinnen. Für Menschen, die mit ihren Geschichten zu mir kommen. Ich begleite, fühle, höre, nehme wahr, gebe Impulse, öffne Räume. Und plötzlich wollte etwas in mir genau die entgegengesetzte Bewegung. Zu mir, nach innen, in die Stille. Ich bat deshalb auch die Menschen in meinem Umfeld, von Ratschlägen abzusehen. Denn diesen Prozess will ich selbst durchschreiten, ich will hören, was meine eigene Seele mir erzählt. Ich will meine Wahrnehmung spüren, bevor andere Menschen ihre Wahrnehmungen darüberlegen. Es gibt diesen Satz: a uch Ratschläge sind Schläge. Nach einem tatsächlichen körperlichen Aufprall bekommt dieser Satz für mich gerade eine vollkommen neue Bedeutung. Mein System hatte genug Input bekommen. Jetzt brauche ich Raum. Je länger ich in den vergangenen Tagen mit diesem Erlebnis sitze, desto stärker empfinde ich den Unfall auch symbolisch. Ein Auto in Bewegung- Geschwindigkeit - Außenwelt - Vorwärts - im Tun. Für mich trägt all das eine starke Yang-Energie. Und genau diese Energie trifft mich. Sie bringt mich zu Fall. Und meine unmittelbare Reaktion? Aufspringen. Natürlich war das eine Schockreaktion. Und gleichzeitig erkenne ich darin heute etwas aus meinem ganzen Leben wieder. Wenn etwas passiert, stehe ich auf. Wenn es schwierig wird, übernehme ich das Ruder. Wenn ein Sturm kommt, halte ich es eben noch ein bisschen fester. Ich kann das, verdammt gut sogar. Diese Fähigkeit hat mich durch einige der dunkelsten Stunden meines Lebens getragen. Heute frage ich mich allerdings etwas anderes: Muss ich das Ruder wirklich immer in der Hand halten? Seit diesem Unfall zieht es mich in eine vollkommen andere Energie. In die Stille, ins Schlafen, ins Weinen, ins Empfangen, in die Meditation. Zu meinem Partner, zu meiner Familie, zu meinen Tieren, zu meinem Zuhause, zu mir. Vom Yang ins Yin. Vom Machen ins Sein. Vom Halten ins Gehaltenwerden. Vom Geben ins Empfangen. Vom Außen ins Innen. Und vermutlich liegt genau hier mein eigentlicher Weckruf. Dieser Unfall erzählt mir weniger davon, was ich in Zukunft alles verändern soll. Er lädt mich vielmehr dazu ein, eine andere Qualität des Lebens kennenzulernen. Eine, in der ich das Ruder manchmal lockerer halte. Eine, in der ich dem Leben zutraue, ebenfalls eine Strömung zu besitzen. Heute habe ich wieder meditiert, wie jeden Tag seit diesem speziellen Sonntag. Und in dieser Meditation bekam ich von meinem Geistführer einen sehr klaren Impuls: Komm erst zurück, wenn deine blauen Flecken verschwunden sind. Außerdem kamen zwei weitere Impulse: Mein Bewusstsein auszudehnen und Zitronenwasser zu trinken. Ich musste über Letzteres direkt ein bisserl schmunzeln. So sind meine Meditationen ganz oft:-) Große kosmische Botschaften treffen auf Zitronenwasser. Willkommen in meinem verrückten Leben. Doch gerade das Bild meiner blauen Flecken berührt mich. Mein Körper trägt im Moment sichtbar die Spuren dessen, was geschehen ist. In blau- lila-grün-Tönen. Sie verändern sich jeden Tag. Mein Körper ist in Heilung. Und während mein Körper diese sichtbaren Spuren verwandelt, darf offenbar auch in meinem Inneren etwas seine Gestalt verändern. Deshalb möchte ich gerade gar keine Entscheidung darüber treffen, wann ich wieder zurückkehre, oder wie, oder wohin überhaupt. Vielleicht darf meine Haut mir diesmal den Rhythmus vorgeben. Seit dem Unfall denke ich viel über Lebensenergie nach. Denn wenn einem plötzlich bewusst wird, dass auch diese Inkarnation endlich ist, verändert sich der Blick darauf, wofür man seine Energie verwendet. Meine Lebensenergie ist mir unglaublich kostbar. Sie ist die Kraft, mit der ich liebe. Mit der ich meine Kinder umarme, mit der ich meinen Partner berühre. Mit der ich Brot backe und mit der ich meine Tiere versorge. Mit der ich hier meinen geliebten Blog schreibe. Mit der ich Frauen begleite. Mit der ich lache, weine, denke, träume, gärtnere, koche, lerne und erschaffe. Diese Energie ist mein Leben. Und ich werde zukünftig noch viel bewusster damit umgehen. Weniger aus einem Gefühl des permanenten Verfügbarseins heraus. Mehr aus Fülle und aus Verkörperung. Mehr aus einem inneren ganz lauten Ja. Ich spüre gerade sehr deutlich: Ich möchte mein Leben zuerst leben und irgendwann darüber erzählen. Ich möchte Erfahrungen erst durch meinen Körper wandern lassen. Ich möchte sie schmecken und ich möchte sie verdauen. Ich möchte sie zu meiner eigenen Wahrheit werden lassen. Und irgendwann dürfen Worte daraus entstehen. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.... In den vergangenen Wochen beschäftigt mich immer wieder das Bild des Gefäßes. Und inzwischen verstehe ich langsam, warum. Ein Gefäß rennt dem Wasser nicht hinterher. Es muss den Fluss nicht kontrollieren. Es hält sich bereit, es empfängt, es lässt sich füllen. Und aus einem gefüllten Gefäß kann etwas weiterfließen. Viel zu lange habe ich geglaubt, ich müsste vor allem diejenige sein, die das Ruder hält. Aber was geschieht, wenn ich zum Gefäß werde? Wenn ich mich einfach vom Leben füllen lasse? Wenn meine Kraft weniger daraus entsteht, dass ich alles unter Kontrolle halte, und mehr daraus, dass ich tief mit mir verbunden bin? Wenn ich empfange, bevor ich gebe? Wenn ich mich halten lasse, bevor ich andere halte? Ich fühle, hier beginnt eine vollkommen andere Form von Kraft. Eine weichere, eine weiblichere, eine, die weniger beweisen muss. Eine, die aus der Tiefe entsteht. Ich weiß noch nicht, welche Frau zurückkommen wird. Und genau deshalb endet dieser Text heute mitten in der Geschichte. Meine blauen Flecken sind noch da. Mein Körper heilt, ab und an weine ich noch. Ich schlafe viel. Ich meditiere und tanze. Frühmorgens neben den Hühnern. Sie finden das super spannend :-) Ich lasse mich halten, ich höre mir selbst zu... Ja und natürlich trinke ich mein Zitronenwasser. Und ich habe gerade überhaupt kein Bedürfnis, aus dieser Erfahrung bereits ein fertiges Konzept zu machen. Nicht jede Erfahrung braucht einen sofortigen Sinn. Zu allererst braucht sie Raum zum Atmen und Werden. Mein Bruder hat mich umarmt. Ich habe gespürt, dass ich bleiben möchte. Und seitdem frage ich mich mehrmals am Tag, wie ich dieses Bleiben für mich gestalten möchte. Denn wenn ich mich noch einmal für dieses Leben entschieden habe, dann möchte ich auch wirklich hier sein. In meinem Körper, bei den Menschen, die ich liebe. In meinem Zuhause, in meiner Freude, in meiner Stille, in meiner Arbeit. In meiner Seele. Mit meiner ganzen Lebenskraft . Ich weiß heute noch nicht, welche Frau zurückkommen wird, wenn meine blauen Flecken verschwunden sind. Aber ich bin heute schon ziemlich sicher, sie wird das Ruder ein wenig lockerer in ihren Händen halten. Ganz sicher wird sie öfter den Kopf heben, den Wind spüren und sich daran erinnern, dass ein Fluss seine eigene Richtung kennt. Ich wünsche mir mein Vertrauen besteht irgendwann genau darin: mich vom Leben tragen zu lassen, während meine Hände frei werden. Das Leben ist schön. Punkt.
von 113f33a9-2cef-41c3-bba9-ff55566bbe5f 30. Juli 2026
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