Was meine 4 Töchter mich über das Leben gelehrt haben
Wenn ich heute auf meine vier Töchter blicke, sehe ich drei junge Frauen und ein Mädchen...
Was ich gleichzeitig sehe, sind vier Geschichten, die beinahe nie geschrieben worden wären.
Ich wollte immer schon jung Mama werden. Während andere nach dem Studium die Welt bereisten oder Karrierepläne schmiedeten, trug ich bereits mein erstes Baby im Arm. Mit 22 Jahren wurde ich das erste Mal Mama. Rückblickend war das eines der größten Geschenke und gleichzeitig das größte Abenteuer meines Lebens.
Jung Mama zu sein bedeutet, dass man vieles einfach macht. Man denkt weniger nach, man hat weniger Angst und man vertraut mehr.
Meine erste Tochter kam also in mein Leben und machte mich zur Mama. Zur ersten Frau in meiner Ahnenlinie, die wieder voll und lange gestillt hat. Damals wusste ich noch nicht, welche Reise vor uns liegen würde.
Zwischen meiner ersten und zweiten Tochter musste ich lernen, dass nicht jede Schwangerschaft in einer Geburt mit einem propperen Baby endet. Ich denke oft noch an meine Sternenkinder... einer davon war ein Junge mit Down Syndrom und schwerem Herzfehler. Er hat sich selbst auf die Reise zu den Sternen gemacht.. ich habe ihn zuhause in meine Hände geboren.. ich war grad mal 25...
Ein weiteres Sternenkind machte sich auf unserer Hochzeitsreise auf den Weg in den Himmel.. mitten im Urlaub in Kroatien.. ich war nicht der Sprache mächtig im Krankenhaus.. der Arzt nicht sehr mitfühlend.. aber ich hatte ja jetzt schon Erfahrung.. mit 26..
Meine Sternenkinder sind Träume, die nur für kurze Zeit bei uns zu Gast waren, doch jedes hat einen fixen Platz in meinem Herzen. Bis schließlich eine wundervolle Seele beschloss, bis zum Ende der Schwangerschaft zu bleiben. Na wenigstens fast.
Denn in ihrer Schwangerschaft kam ich eine Herzmuskelentzündung, nach einer Grippeschutzimpfung. Es war eine beschwerliche Schwangerschaft mit ganz viel Liegen und 24 h Monitoring und einer 3 jährigen Tochter, die ganz früh lernte, Rücksicht zu nehmen auf die Bedürfnisse der anderen. Bei der geplanten Sectio in der 37. Woche meiner 2. Tochter erlitt ich einen Herzstillstand. Und mit diesem Herzstillstand eine Erfahrung, für die mir bis heute manchmal die Worte fehlen.
Meine Nahtoderfahrung. Sie sollte mein Leben für immer verändern.
Meine zweite Tochter ist eine zarte Seele, ja ich würde sagen sie ist eine Elfe. Eine jener seltenen Menschen, die einen Raum betreten und etwas darin verändern, ohne auch nur ein Wort zu sagen.
Nach ihrer Geburt war die Familienplanung aus medizinischer Sicht abgeschlossen. So zumindest lautete die Theorie der Ärzte. Meine dritte Tochter hatte offenbar andere Pläne. Sie schummelte sich in unser Leben. Und sie kam, um zu bleiben.
Mit ihr durfte ganz viel Heilung geschehen. Nach zwei Kaiserschnitten schenkte sie mir eine spontane Geburt, innerhalb weniger Stunden. Als wollte sie mir zeigen, dass Geschichten auch anders ausgehen können.
Sie war ein Papamädel durch und durch. Als ihr Papa starb, war sie erst vier Jahre alt. Vier Jahre! Oft denke ich heute noch darüber nach, wie viel Leben ein Kinderherz tragen kann.
Dann trat mein 2. Mann in unser Leben. Mit zwei eigenen Kindern. Jeder im Umfeld hat uns für verrückt erklärt. Eine junge Witwe und insgesamt 5 Kinder? Das kann nicht klappen.
Zu diesem Zeitpunkt waren wir überzeugt, dass unsere Familie vollständig war. Fünf Kinder. Das klang nach einer vernünftigen Entscheidung.
Dann erschien die Räubertochter. Zuerst als Gefühl, später als Ahnung. Als Seele, die anklopfte an unsere Tür... Sie wollte genau in unsere Familie geboren werden. Und sie blieb hartnäckig. Trotz vieler Hürden, Herausforderungen und gescheiterten Versuchen kam sie 2019 zur Welt und machte aus unserer Familie das, was sie heute ist.
Chaotisch. Lebendig. Laut. Liebevoll. Verrückt. Vollständig.
Vor kurzem wurde ich von einer Klientin gefragt, was meine vier Töchter mich über das Leben gelehrt haben. Die Antwort hat sie überrascht.
Sie haben mich gelehrt, dass das Leben seinen eigenen Plan hat. Dass Liebe größer ist als jede Planung. Dass Verlust und Glück am selben Tisch sitzen können. Dass Freiheit ein Geschenk ist. Dass Kinder keine Kopien ihrer Eltern werden müssen. Und dass Vertrauen oft die schönste Form von Liebe ist.
Meine Töchter müssen keine meiner Träume leben.
Das tue ich selbst. Sie dürfen ihre eigenen finden. Ihre eigenen Fehler machen. (Und sie wissen auch, dass es eigentlich keine Fehler gibt, denn alles sind nur Erfahrungen, die wir sammeln dürfen um zu Erkenntnissen zu gelangen)
Sie dürfen ihre eigenen Wege gehen. (Also ob sie mich danach fragen würden)
Und während ich manchmal nachts wach liege, wenn sie unterwegs sind, weiß ich tief in meinem Herzen, dass genau das meine Aufgabe als Mama war: Sie stark genug zu lieben, damit sie ihren eigenen Weg gehen können.
Wenn ich heute noch einmal von vorne beginnen dürfte, würde ich alles wieder genauso wählen.
Die schlaflosen Nächte, die Sorgen, die Wäscheberge, die Tränen, die Fehlgeburten, das Chaos, die Liebe. Einfach alles.
Denn Kinder machen das Leben auf eine Weise reich, für die es keine Worte gibt.
Und meine vier Mädchen erinnern mich jeden Tag daran, dass das Leben trotz allem, was geschieht, immer wieder Ja zum Leben sagt.
Das Leben ist schön. Punkt.











