Ich backe Brot, um mich zu erden

5. Januar 2026

Warum Spiritualität manchmal Mehl an den Händen braucht

Ich backe Brot, seit ich Mama bin. Also seit gut zwanzig Jahren. Wenn ich heute zurückschaue, war das kein kurzer Lernweg, sondern ein langer Prozess, der sich mit meinem Leben eng verflochten hat. Mit meinen 4 Töchtern, mit vielen Herausforderungen, und Ernährungsumstellungen, mit vielen Umwegen und ebenso vielen Momenten des Gelingens.

Am Anfang stand ganz klassisch viel Hefe und viel Weizen. Brot sollte satt machen, schnell gebacken sein und am besten verlässlich gelingen. Dann kam die Zöliakie-Diagnose bei meiner zweiten Tochter, und damit hat sich meine Backwelt schlagartig verändert. Backen wurde auf einmal zu einem Experimentierfeld, ok ehrlich es war eher ein experimentelles Schlachtfeld. Glutenfreie Brote fordern Geduld, Feingefühl und eine sehr hohe Frustrationstoleranz. (Hab ich alles nicht) Viele Laibe landeten im Müll, manche zerbröselten schon beim Anschneiden, und ganz viele  schmeckten nach allem, nur nicht nach Brot.

Und dann gab es die ersten Erfolge. Kleine zuerst, aber viel später auch größere. Der Moment, als ich meinen ersten eigenen Sauerteig gezüchtet habe, gehört bis heute zu meinen persönlichen Backhöhepunkten. Sauerteig hat etwas Eigenwilliges, er hat eine Persönlichkeit, ein bisschen eine Dramaqueen. Er verlangt Aufmerksamkeit, Rhythmus und Zeit. Lange Teigführungen haben mir beigebracht, dass Eile im Brotbacken ihren Preis hat. Je mehr ich mich darauf eingelassen habe, desto besser wurde das Ergebnis und desto ruhiger wurde ich selbst.

Dann kam die C-Krise und wir hatten zeitweise 6 Kinder im Haus und so haben wir einen professionellen Brotbackofen gekauft. Für fünftausend Euro. Ein klares Bekenntnis, ein Ofen, der 14 Kilo Brot in einem Durchgang schafft. Ein Ofen, der sagt: das hier ist mehr als ein Hobby. 

2025 kam die plötzliche Maisunverträglichkeit meiner Zöliakie-Tochter hinzu und wieder begann alles von vorne. Neue Zutaten, eigene Mehlmischungen entwickeln, noch mehr Feinarbeit. Glutenfreie Sauerteigbrote entwickelten sich langsam, Schritt für Schritt. Und daneben entstanden ganz selbstverständlich auch Roggensauerteigbrote,  für meinen Mann und meine Freunde, fürs Gemüt, für den Kopf und zum Durchatmen. Denn Kneten entspannt. Brotyoga :-) (soll ich mir das patentieren lassen?)

Brotbacken war für mich immer mehr als Ernährung. Es ist Erdung pur. Mein Weg zurück in meinen Körper. Ein Tun, das mich aus dem Denken holt und ins Fühlen bringt. Und immer war da dieser Wunsch in mir, das Backen mit der Seelenplanarbeit zu verbinden. Räume zu schaffen, in denen beides Platz hat, offline im Reallife. Echt, mit Menschen, die bleiben wollen. Mit Händen im Teig und ihren Füßen auf dem Boden.

Seit wenigen Monaten leben wir hier im Südburgenland, am Krafthof Naeli. Und hier steht ein blauer Ofen (ein riesiger Tischherd mit noch größerem Brotbackofen), der heuer 100 Jahre alt wird. Ein Ofen mit Geschichte. Aber einer, der sich nach Leben sehnt, nach einem Hoffest. Nach vielen Menschen, die sich um ihn versammeln. Nach Gesprächen, nach lautem Lachen, viel Wein am Tisch und nach Brotduft in der warmen Luft.

Hier am Krafthof Naeli wird Spiritualität verkörpert. Beim Kneten, beim Warten und beim Teilen. Ja  es ist Alchemie, wenn aus Mehl, Wasser und einem lebendigen Sauerteig durch Zeit, Wärme, Geduld und berührende Hände etwas entsteht, das nährt, duftet, verbindet und zeigt, wie Verwandlung im Alltag geschieht, leise, tief und ganz selbstverständlich. Mein Brot zu backen erinnert mich immer wieder daran, worum es wirklich geht im Leben: um Präsenz, um Geduld, um meine absolute bedingungslose Hingabe. Und darum, dass Wachstum Zeit braucht.

Manchmal braucht es eben Mehl an den Händen, um wieder bei sich anzukommen.

Aus all dem ist ein Wunsch gewachsen. Räume zu öffnen, in denen Brotbacken und Seelenarbeit zusammenfinden dürfen. Räume abseits von Bildschirmen, mit Zeit, mit Rhythmus und mit echten Begegnungen.

Am Krafthof Naeli entsteht Platz für genau das: für Hände im Teig, für Stille zwischen den Arbeitsschritten, für Gespräche, die sich ergeben und für Erinnerung, die über den Körper ihren Weg findet.

Diese Räume richten sich an Menschen, die Spiritualität leben wollen, statt über sie zu sprechen. An jene, die Erdung suchen und Tiefe schätzen.

Der blaue Ofen wartet. Das Brot braucht Zeit. Und manches entsteht genau dann, wenn wir gemeinsam langsamer werden.

Wenn dich diese Einladung berührt, halte Ausschau nach den kommenden Terminen hier am Krafthof Naeli. Manche Wege beginnen leise. Und führen genau dorthin, wo wir ankommen dürfen.

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