Meine Seelenphilosophie

Über das Göttliche, die Seele, das Bewusstsein und die Kunst, Mensch zu sein

Von Naeli


Wir alle sind göttlich.

Ich glaube an das Göttliche als Ursprung allen Seins.

Für mich ist Gott keine übergeordnete Gestalt, die irgendwo im Himmel sitzt, über uns wacht, unsere Entscheidungen bewertet und eines Tages über unser Leben urteilt.


Gott ist für mich die Gesamtheit allen Seins.

Ich stelle mir vor, dass sich das Göttliche in Milliarden und Abermilliarden einzigartiger Seelen ergossen hat, wie ein unendliches Meer aus Sternen, von denen jeder einzelne sein eigenes Licht trägt.


Jede Seele ist ein Ausdruck dieser göttlichen Quelle. Jede Seele ist einzigartig und zugleich untrennbar mit dem großen Ganzen verbunden.

Wir alle sind göttliche Wesen, die für eine gewisse Zeit menschliche Erfahrungen machen.

Das Göttliche erfährt sich durch uns. Durch unsere Freude und unsere Trauer, durch Liebe und Verlust, durch Begegnungen, Entscheidungen, Wachstum und Veränderung.

Wir sind das Leben, das sich selbst erlebt.


Die Seele ist unsere ewige Individualität

Ich verstehe die Seele als ein einzigartiges, unsterbliches Wesen, das weit über die Grenzen einer einzelnen menschlichen Existenz hinausreicht.

Mein Bild dafür ist eine Weinrebe.


Alle Seelen entspringen derselben göttlichen Quelle, so wie die Trauben einer Rebe aus demselben Ursprung wachsen. Jede Traube wird von derselben Lebenskraft genährt und entwickelt dennoch ihre ganz eigene Gestalt, ihren eigenen Geschmack und ihre eigene Reife.

So ist es auch mit unseren Seelen.


Jede Seele trägt ihre eigene Geschichte, ihre eigene Entwicklung und die Essenz unzähliger Erfahrungen in sich.

Dabei glaube ich, dass sich eine Seele niemals vollständig inkarniert.

Ihr Wesenskern bleibt stets in ihrer geistigen Heimat, die ich am liebsten als Universum bezeichne. Von dort aus können verschiedene Aspekte dieser Seele in unterschiedliche Existenzformen eintreten und Erfahrungen sammeln.


Ich bin als Mensch Tanja, eine gegenwärtige menschliche Ausdrucksform meiner Seele Naeli.

Und ich glaube, dass andere Aspekte von Naeli gleichzeitig an anderen Orten, in anderen Zeitfenstern, möglicherweise sogar in anderen Galaxien oder Daseinsformen Erfahrungen machen.


Naeli ist die übergeordnete Seelenindividualität. Tanja ist eine ihrer vielen Ausdrucksformen.

Die Seele entwickelt sich durch Erfahrung.

Für mich ist jede Inkarnation EINE Möglichkeit der Entwicklung.

Die Seele wählt jene Erfahrungen und Lebensbedingungen, durch die sie bestimmte Qualitäten entfalten, vertiefen und zur Reife bringen möchte.


Liebe, Mitgefühl, Vertrauen, Hingabe, Mut, Weisheit, Vergebung und die Fähigkeit, sich selbst und anderen in Würde zu begegnen, gehören für mich zu diesen Qualitäten.

Die Seele sammelt dabei mehr als bloße Erlebnisse. Sie bewahrt in sich die Essenz dessen, was sie erfahren hat.

Jedes Leben trägt zu ihrer Entwicklung bei, unabhängig davon, wie lange es dauert und welche äußeren Erfolge ein Mensch erreicht.


Dabei glaube ich, dass eine Seele irgendwann jenen Reifegrad erreicht, an dem sie keine weiteren menschlichen Inkarnationen für ihre eigene Entwicklung mehr benötigt.

Ihre Existenz und ihr Wirken gehen weiter. Sie kann andere Aufgaben übernehmen und auf geistiger Ebene zum Wohl anderer beitragen.



Manche weit entwickelten Seelen entscheiden sich nach meiner Vorstellung sogar freiwillig dafür, wieder als Mensch zu inkarnieren, um andere Menschen zu begleiten.

Ich nenne sie gerne Engel ohne Flügel.

Sie tragen möglicherweise ein tiefes inneres Wissen um ihre Berufung in sich und spüren zugleich eine besondere Sehnsucht nach ihrer geistigen Heimat.

Dieses Seelenheimweh kann mitten in einem erfüllten, geliebten menschlichen Leben auftreten.

Denn die Freude am Menschsein und die Sehnsucht nach dem eigenen Ursprung dürfen gleichzeitig existieren.

Der Körper ist das Zuhause einer Inkarnation

Unser Körper ist das materielle Gefäß, durch das ein Seelenaspekt seine menschlichen Erfahrungen macht.

Er ermöglicht uns, die Welt mit unseren Sinnen zu erfahren, Wärme zu spüren, Brot zu riechen, Musik zu hören, einen geliebten Menschen zu berühren und das Leben in seiner ganzen körperlichen Fülle zu erleben.

Unser Körper gehört zur Erde und ihren natürlichen Kreisläufen.

Er entsteht, wächst, verändert sich, altert und vergeht.


Für mich ist der Körper deshalb etwas zutiefst Wertvolles, den wir bestmöglich behandeln dürfen. Er ermöglicht der Seele jene Erfahrungen, die nur durch eine verkörperte Existenz zugänglich sind.

Verkörperte Spiritualität bedeutet für mich, das Göttliche im Menschsein zu erfahren.

Mit unseren Händen, in unseren Begegnungen, unserer Arbeit, unserer Liebe und unserem ganz gewöhnlichen Alltag.

Der denkende Geist ist unser Intellekt

Wenn ich vom menschlichen, denkenden Geist spreche, meine ich unseren Intellekt.

Er ermöglicht uns, zu denken, zu analysieren, zu lernen, Zusammenhänge zu erkennen, Entscheidungen vorzubereiten und Erfahrungen gedanklich zu verarbeiten.

Dieser Intellekt ist an unser Gehirn und dessen neuronale Netzwerke gebunden.

Mit dem endgültigen Tod des Gehirns endet nach unserem heutigen wissenschaftlichen Verständnis auch diese Form des menschlichen Denkens.

Der Intellekt gehört damit zur jeweiligen Inkarnation.

Er ist ein wertvolles Werkzeug unseres Menschseins, durch das wir unsere Erfahrungen verstehen und gestalten können.

Das Bewusstsein verbindet uns mit dem Ganzen

Ich unterscheide dabei zwischen dem individuellen und dem universellen Bewusstsein.

Unser individuelles Bewusstsein ermöglicht uns, das eigene Dasein wahrzunehmen und uns als eigenständigen Menschen zu erleben.

Gleichzeitig glaube ich, dass jedes individuelle Bewusstsein mit einem großen, kollektiven Bewusstsein verbunden ist.


Dieses universelle Bewusstsein verstehe ich als einen umfassenden Erfahrungsraum, in dem die Erfahrungen allen Lebens miteinander verbunden sind.

Mit dem körperlichen Tod fließt das individuelle Bewusstsein nach meiner Vorstellung wieder in dieses große Ganze zurück. Wie ein Tropfen Wasser, der in den Ozean heimkehrt.


Die Seele hingegen bewahrt die Essenz ihrer individuellen Erfahrungen.

Das universelle Bewusstsein ist für mich auch ein möglicher Zugang zu Erfahrungen, die über unser gegenwärtiges Leben hinausreichen.

Hier berührt sich mein persönliches Verständnis mit der spirituellen Vorstellung der Akasha Chronik, einem universellen Gedächtnis, in dem Erfahrungen über die Grenzen einzelner Inkarnationen hinweg zugänglich sein sollen.


Ich kenne selbst das Gefühl, etwas bereits zu wissen, bevor ich es in diesem Leben bewusst gelernt habe. Beim Nähen oder Backen beispielsweise empfinde ich manchmal eine tiefe Vertrautheit, die ich als inneres Erinnern erlebe.

In meiner spirituellen Wahrnehmung kann dies Ausdruck einer Verbindung zu Erfahrungen sein, die über mein gegenwärtiges Leben hinausreichen.

Der kosmische Geist ist die ordnende Intelligenz des Universums

Neben dem menschlichen Intellekt gibt es für mich einen überpersönlichen Geist.

Ich bezeichne ihn gerne als kosmischen Intellekt.

Er ist für mich ein natürliches, schöpferisches und ordnendes Prinzip, das der gesamten Existenz innewohnt.

In der antiken Philosophie begegnen uns verwandte Vorstellungen unter Begriffen wie Nous oder Logos.

Ich empfinde diese kosmische Intelligenz als Teil der göttlichen Gesamtheit, als eine Ordnung, durch die sich das Leben in seiner Vielfalt entfaltet.

Der menschliche Intellekt ist an den Körper gebunden. Der kosmische Intellekt hingegen gehört für mich zur zeitlosen Wirklichkeit des Universums.

Zeit ist eine Erfahrung des Menschseins

Als Menschen erleben wir Zeit in einer linearen Abfolge. Wir sprechen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.



Auf der Ebene der Seele verstehe ich Zeit anders.

Ich glaube, dass verschiedene Inkarnationen einer Seele gleichzeitig stattfinden können, auch wenn sie aus menschlicher Perspektive in völlig unterschiedlichen Zeiträumen liegen.

Die Seele ist für mich an die lineare Zeit des menschlichen Körpers gebunden, solange sie durch einen bestimmten Seelenaspekt Erfahrungen in dieser Zeit macht. Ihr übergeordneter Wesenskern existiert jedoch jenseits dieser zeitlichen Begrenzung.

Dadurch können unterschiedliche Seelenaspekte gleichzeitig Erfahrungen sammeln, die in die Entwicklung der übergeordneten Seele einfließen.

Heilung wirkt über Generationen und Zeitgrenzen hinweg

Ich glaube, dass wir Menschen durch unsere Seele und unser Bewusstsein mit einem viel größeren Erfahrungsfeld verbunden sind.

Dazu gehören für mich auch die Erfahrungen unserer Ahnen.

Die Forschung zeigt, dass transgenerationale Traumata über mehrere Generationen hinweg wirken können.


Meine spirituelle Vorstellung reicht darüber hinaus.

Ich glaube, dass eine Seele bestimmte Themen für ihre Inkarnation wählen und über das Bewusstsein Erinnerungen oder Erfahrungen zugänglich machen kann, die nach Heilung verlangen.

Heilung bedeutet für mich, solche Erfahrungen wahrzunehmen, zu verstehen, zu integrieren und in etwas Neues zu verwandeln.

Wenn ein Mensch heute alte Muster erkennt und verändert, kann das seine Beziehungen und das Leben kommender Generationen nachhaltig beeinflussen.

Auf der zeitlosen Ebene der Seele glaube ich darüber hinaus, dass Heilung auch die Vergangenheit berühren kann.

Denn wenn Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf dieser Ebene gleichzeitig existieren, kann eine Veränderung im Jetzt nach meiner spirituellen Vorstellung weit über das gegenwärtige Leben hinauswirken.

Heilung ist damit für mich sowohl ein zutiefst persönlicher als auch ein verbindender Prozess.

Geistführer sind unsere feinstofflichen Begleiter

Ich glaube, dass jede Seele seit ihrem Ursprung von geistigen Verbündeten begleitet wird.

Diese Geistführer verstehe ich als eigenständige feinstoffliche Wesen, die über viele Inkarnationen hinweg an der Seite einer Seele stehen.

Im alltäglichen Sprachgebrauch werden sie gerne als Schutzengel bezeichnet.

Sie achten unseren freien Willen und begleiten uns, während wir unsere eigenen Erfahrungen machen.

Wir können sie nach meiner Vorstellung bewusst um Führung bitten und ihre Antworten über unsere Intuition wahrnehmen.

In außergewöhnlichen Situationen halte ich auch ein unmittelbares schützendes Eingreifen für möglich.

Ich glaube außerdem, dass sich Geistführer in einer Gestalt zeigen können, die dem jeweiligen Menschen, seiner Kultur und seinem Glauben entspricht.

Für den einen ist es ein Engel, für einen anderen ein Krafttier, eine menschliche Gestalt oder ein anderes vertrautes Bild.

Gerade am Lebensende schenken solche Vorstellungen Geborgenheit und erleichtern den Übergang.

Ich glaube nämlich, dass Geistführer den Seelenaspekt beim Übergang aus der körperlichen Existenz begleiten und ihn zurück zu seiner übergeordneten Seele führen.

Jeder Mensch reist mit seiner eigenen Kerze zur Erde

Den Zeitpunkt unseres Todes beschreibe ich gerne mit dem Bild einer Kerze.

Ich stelle mir vor, dass jeder Mensch mit seiner eigenen Kerze auf die Erde kommt.

Manche Kerzen sind groß und können sehr lange brennen. Andere sind klein und haben eine kurze Brenndauer.

Wir wissen als Menschen weder, wie groß unsere eigene Kerze ist, noch wie lange ihre Flamme leuchten wird.

Manchmal brennt sie viele Jahrzehnte und bei manchen erlischt sie bereits nach wenigen Tagen, Stunden oder Augenblicken.

Und ab und zu kommt ein starker Windstoß, der eine Kerze plötzlich ausbläst, obwohl sie noch lange hätte brennen können.

Auch das gehört für mich zur Verletzlichkeit des menschlichen Lebens.


Der Wert eines Lebens liegt in seiner Existenz, unabhängig davon, wie lange seine Kerze brennt. Denn jedes Leben ist in sich vollkommen wertvoll.



Jede Kerze schenkt Licht, ganz unabhängig von ihrer Brenndauer.

Ich glaube auch, dass manche Seelenaspekte nur für eine einzige Erfahrung auf die Erde kommen möchten, beispielsweise um Liebe zu erfahren.

Vielleicht werden sie bereits im Mutterleib geliebt, durch die Vorfreude ihrer Eltern, durch ihre Stimmen, ihre Berührungen und die innige Verbindung, die schon vor der Geburt entstehen kann.

Wenn ein solches Kind als Sternenkind geht, kehrt sein Seelenaspekt nach meiner Vorstellung ebenso in seine geistige Heimat zurück.

Sein kurzes Dasein ist Teil einer einzigartigen Geschichte der Liebe.

Sterben ist die Rückkehr eines Seelenaspekts

Für mich ist der Tod das Ende einer menschlichen Inkarnation und zugleich ein Übergang.

Der Körper beendet seine biologische Existenz und kehrt in den natürlichen Kreislauf der Erde zurück.

Der denkende Geist, unser menschlicher Intellekt, verliert mit dem endgültigen Funktionsverlust des Gehirns seine Grundlage.

Das individuelle Bewusstsein fließt nach meiner Vorstellung in das universelle Bewusstsein zurück.

Und der Seelenaspekt, der dieses menschliche Leben erfahren hat, kehrt begleitet von seinen Geistführern zu seiner übergeordneten Seele zurück.



Wenn Tanja stirbt, kehrt ihr Seelenaspekt zu Naeli zurück.

Die menschliche Persönlichkeit Tanja, mit ihren Eigenschaften und ihrer individuellen Lebensgeschichte, gehört zu dieser Inkarnation.

Was bleibt, ist die Essenz ihrer Erfahrungen, die in die Entwicklung von Naeli einfließt.

Ich verstehe diesen Übergang als Heimkehr.

Dabei glaube ich, dass der Weg zurück zur geistigen Heimat jedem Seelenaspekt offensteht, unabhängig davon, wie lange sein menschliches Leben gedauert hat oder auf welche Weise es zu Ende gegangen ist.

Die Würde des Menschen steht über jeder Erklärung

All diese Gedanken bilden meine persönliche spirituelle Philosophie.

Sie sind Ausdruck meiner inneren Überzeugung, meiner Lebenserfahrungen und meiner Auseinandersetzung mit den großen Fragen unserer Existenz.


Solche spirituellen Vorstellungen wie meine lassen sich nicht wissenschaftlich überprüfen und deswegen habe ich hier nur mein Empfinden und "meine Wahrheit" in Worte gefasst. Du darfst selbst für dich prüfen, mit welchen Vorstellungen DU in Resonanz gehen möchtest und wo du für dich eine andere Wahrnehmung hast. Es gibt kein Richtig und kein Falsch!


Gerade in der Begleitung sterbender Menschen und ihrer Angehörigen ist mir wichtig, dass jeder Mensch seine eigenen Überzeugungen, Hoffnungen, Zweifel und Erfahrungen mitbringt.


Ich möchte Menschen in ihrem eigenen Erleben begegnen, ihre Fragen ernst nehmen und ihnen Raum geben, ihren persönlichen Zugang zum Sterben zu finden.

Denn für mich bedeutet Spiritualität vor allem, das Menschsein in seiner ganzen Tiefe anzunehmen.

Mit allem, was dazugehört.

Mit unserer Verletzlichkeit, unserer Liebe, unserer Trauer, unserem Mut und unserer Sehnsucht nach Verbundenheit.

Das Leben ist schön. Punkt.

Ich bin davon überzeugt, dass wir als göttliche Wesen hier auf der Erde menschliche Erfahrungen machen.

Dass jede Seele absolut einzigartig ist und zugleich mit allem Leben vor und nach ihr verbunden bleibt.

Dass unser Körper uns die Möglichkeit schenkt, das Leben zu fühlen und zu verkörpern.

Dass unser Intellekt uns hilft, unsere Erfahrungen zu verstehen.

Dass unser Bewusstsein uns mit einem größeren Ganzen verbindet.

Und dass unsere Seele die Essenz unseres Lebens bewahrt und daran reift.


Für mich ist gerade deshalb jeder Augenblick unseres Menschseins so kostbar.

Weil wir für eine begrenzte Zeit die Möglichkeit haben, zu lieben, zu lachen, zu weinen, zu lernen, Brot zu backen, einen Menschen in den Arm zu nehmen, die Wärme eines Kachelofens zu spüren und das Leben mit all unseren Sinnen zu erfahren.


Ich möchte dieses Leben bewusst leben, solange meine Kerze brennt.

Und wenn ihre Flamme eines Tages erlischt, glaube ich daran, dass mein Seelenaspekt heimkehrt und seine Erfahrungen in die große Geschichte meiner Seele einbringt.


Bis dahin bin ich hier.

Als Mensch. Als Tanja. Als Ausdruck von Naeli.


Und ich möchte dieses Leben in seiner ganzen Fülle erfahren.

Denn das Leben ist schön. Punkt.